Unverständnis überwinden

Leiter lehnt an einer weißen Wand

Wissenschaft im öffentlichen Diskurs

Wissenschaft findet längst nicht mehr im viel zitierten Elfenbeinturm statt. Aus gutem Grund muss sie in demokratischen Gesellschaften in der Konkurrenz der Disziplinen um Zustimmung werben, um die Ressourcen zu erhalten, die sie benötigt. Gerade natur- und ingenieurswissenschaftliche Forschung hat es dabei häufig mit Fragen der gesellschaftlichen Akzeptanz zu tun.

Risiken und Chancen wissenschaftlichen Fortschritts gegeneinander abzuwägen, ist Recht und Pflicht der Bürgerinnen und Bürger einer demokratischen Gesellschaft und ihrer politischen Institutionen. Um diese Abwägung möglich zu machen, müssen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erklären. Sie müssen Wege finden, transparent zu machen, was sie tun, warum sie es tun und wie sie es tun.

Was dazu nötig ist, ist aus linguistischer Sicht kein reiner Erklär-Diskurs, für den der populäre Wissenschaftsjournalismus zuständig ist. Es geht vielmehr um die Frage, wie sich Wissenschaft produktiv als Stimme in den gesellschaftlichen Diskurs rund um wichtige Zukunftsentscheidungen einbringen kann. Und wie sie mit einem möglichst hohen Maß an Transparenz für möglichst breite Zustimmung sorgt.

Linguistische Analyse des gesellschaftlich verbreiteten Vorwissens

Die Arbeitsstelle für linguistische Gesellschaftsforschung untersucht solche Diskurse von Wissenschaft in der Öffentlichkeit – in klassisch journalistischen und digitalen Medien ebenso wie in der persönlichen Begegnung mit Bürgerinnen und Bürgern.

Chancen und Gefahren der eigenen öffentlichen Kommunikation bewerten

Neben eigenständigen Studien kann die AlGf in Form von linguistischen Begleitmodulen zu großen technologischen Vorhaben in spezifischen Forschungskontexten den Akteuren aus den betroffenen Wissenschaften nicht nur Hinweise auf das gesellschaftlich verbreitete Vorwissen geben. Abzuleiten sind vielmehr auch konkrete Erkenntnisse zu kommunikationsstrategischen Möglichkeiten, aber auch Risiken fachwissenschaftlichen Sprachhandelns in der medialen Öffentlichkeit.

Perspektiven der zuständigen Fachwissenschaften

Mit den Mitteln der linguistischen Gesellschaftsforschung arbeiten wir an Fragen wie: Welche Vorstellungen vermitteln die existierenden medialen Diskurse von der Technologie, um die es geht? Worin unterscheiden sie sich möglicherweise substantiell von der Perspektive der zuständigen Fachwissenschaft? Wie beeinflussen sich fachwissenschaftliches und politisches Sprachhandeln im Rahmen medialer Öffentlichkeiten? Welche Grenzen können und sollten aus Sicht der Fachwissenschaft gezogen werden? Welche Strategien öffentlichen Sprachhandelns bergen welche Risiken und bieten welche Chancen?

Sabrina Gutt, M.A.

Wissenschaft in der Öffentlichkeit

sabrina.gutt@ovgu.de