Rassistische und diskriminierende Sprache

Arbeitsstelle für linguistische Gesellschaftsforschung (AlGf)

in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Inneres und Sport und der Fachhochschule der Polizei Sachsen-Anhalt

 

Bereits im Januar konnte das Kooperationsprojekt zwischen der FH Pol Aschersleben, dem Ministerium für Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt sowie der AlGf starten. Seit Juni finden nun die erfolgreich erprobten und evaluierten Workshops über rassistische und diskriminierende Sprache in allen Einrichtungen der Landespolizei statt.

Polizeibeamt:innen stehen seit einigen Jahren vermehrt im Fokus einer Debatte, die sich um oft sehr pauschale Rassismusvorwürfe gegen die Polizei, die Aufdeckung rassistischer und rechtsextremistischer Mitglieder der Polizei und Verletzungen des Neutralitätsgebots der Beamt:innen im Einsatz dreht. Aus einer wachsenden Aufmerksamkeit für diskriminierenden Sprachgebrauch und Stereotypisierungen entstehen für die Mitglieder der Landespolizei Herausforderungen, da sie als Gruppe angesprochen werden und sich selbst zu diesen Diskursen verhalten/positionieren müssen. Es handelt sich oft um emotional geführte Debatten, da sich viele Gruppen mit unterschiedlichen Zielen an ihnen beteiligen. So geraten im Kontext sprachlicher Diskriminierung verschiedene Bereiche durcheinander. Es werden politische, soziale und ethische Vorsätze/Ziele mit Ethnien-, Geschlechter- oder Gesellschaftsvorstellungen verwoben. In den öffentlichen Diskursen sind solche sprachkritischen Debatten fast immer Schlachtfelder, auf denen im Kern ideologische Kämpfe geführt werden. „Es gibt keine gesellschaftliche Herausforderung, bei der Sprachgebrauch nicht eine zentrale Rolle spielt – und damit linguistische Expertise gefragt ist. Die wollen wir ganz gezielt dorthin bringen, wo sie benötigt wird“, so Kersten Sven Roth, Leiter der Arbeitsstelle. Genau an diesem Punkt setzt das Projekt an.

Zu Beginn des Jahres hat Kathrin Hamann als die zuständige wissenschaftliche Mitarbeiterin des AlGf-Teams in enger Abstimmung mit der Fachhochschule der Polizei Aschersleben und auf Grundlage einer methodischen Bedarfserhebung ein praxisorientiertes Workshopkonzept zu rassistischer und diskriminierender Sprache für Mitglieder der Landespolizei Sachsen-Anhalt entwickelt und anschließend von April bis Mai in Form von Pilot-Workshops erprobt. Das Workshop-Format zielt darauf, bei den Teilnehmenden ein Bewusstsein für die Wirkung von Sprache zu schaffen und sie auf dieser Grundlage für gewaltvolle Nutzung von Sprache zu sensibilisieren. Diskriminierende, speziell rassistische, Sprache wird dabei keineswegs nur als Phänomen interkultureller Situationen, sondern als Problem des alltäglichen Sprachgebrauchs verstanden – respektive ein Thema, das von vielen als „vermintes Gelände“ empfunden wird und in dem sich insbesondere Vertreter:innen der Staatsgewalt bestmöglich zurechtfinden sollten.

Seit Juni führt Kathrin Hamann nun regelmäßig die Workshops in den jeweiligen Einrichtungen der Landespolizei durch. Dazu zählen neben den jeweiligen Polizeiinspektionen auch die Landesbereitschaftspolizei sowie das Landeskriminalamt in Magdeburg.